„Das Wichtigste zu wissen, ist: Was bin ich als Mensch?!“ – Mit dieser Kernbotschaft brachten der bekannte Psychotherapeut und Gründer des Europakloster Gut Aichs, Pater Johannes Pausch OSB, und seine Assistentin, Kristina Proleta, im Seminar ‚Klosterwissen für Körper, Geist und Seele‘, durchgeführt vom Bildungsforum Mariatrost am 28.02.2025, den zahlreichen Teilnehmenden die Klosterheilkunde auf vielfältige Weise näher.


Für den Benediktinermönch ist die Klosterheilkunde untrennbar mit Spiritualität verbunden und stellt in erster Linie ein Beziehungsgeschehen, das als Ziel das gute Leben verfolgt, dar. Kristina Proleta wies auf das dreifache Beziehungsgeschehen hin: zu mir selbst, zu einem Du und zur „Transzendenz“ – um festzuhalten: „Beziehungsarbeit ist kein Zuckerschlecken.“
Mit ganzheitlichem Blick erläuterten sie die fünf Säulen der Klosterheilkunde: Natur und Naturerfahrungen, Bewegung, gemeinsames Lernen, Behandlungen und Wohnen. Fehlen durfte natürlich auch nicht die persönliche Erzählung vom Beginn Pater Johannes` Liebe zu den Heilpflanzen. Dabei betonte der bekannte spirituelle Lehrer, dass es keineswegs um eine „Verteufelung“ der Schulmedizin bzw. von Medikamenten gehe, sondern um eine sinnvolle Ergänzung.


Drei wahre Geschichten über Glaube, Hoffnung und Liebe leiteten über zu einem bunten Strauß an äußerst positiven, dankbaren Rückmeldungen.
Pflanzenkraft gab es zum Verkosten und den Abschluss bildete der gemeinsame Genuss einer köstlichen, stärkenden Suppe im schönen Refektorium des Priesterseminars.
Text von Margret Herbst


Mitten in der Fastenzeit, sowohl im Christentum als auch im Islam, kamen in der Veranstaltung ,Der Koran – eine Hinführung‘, einer Kooperation des Bildungsforums Mariatrost und der Theologischen Kurse, am 14. und 15. März 2025 Menschen aus unterschiedlichen religiösen und akademischen Kontexten zusammen, um sich vertiefend mit der Verbindung von Bibel und Qur'an auseinanderzusetzen.
Die beiden Referierenden, PPH Augustinum-Professorin Mevlida Mešanović und Peter Anna Zeillinger von der Universität Wien, tauchten mit den Kursteilnehmenden in den historischen Kontext der Entstehung der Botschaft des Qur'ans ein. Im Mittelpunkt standen dabei die Verbindungslinien zwischen Bibel und Qur'an, die jüdischen und christlichen Spuren in der islamischen Offenbarung sowie die theologischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zur Zeit der Entstehung des Qur'ans. Die Teilnehmenden widmeten sich dem altarabischen und spätantiken Kontext und diskutierten die mekkanische wie auch die medinensische Phase der Botschaft des Qur'ans.

Neben den inhaltlichen Diskussionen fand auch die praktische Dimension der interreligiösen Begegnung ihren Platz. Ein besonderes Erlebnis war das gemeinsame Fastenbrechen. In einer Atmosphäre des Respekts und der Offenheit wurden Gemeinsamkeiten entdeckt, Unterschiede reflektiert und ein tieferes Verständnis für die jeweils eigene religiöse Praxis entwickelt.
Besonders erfreulich war die Spendenaktion der Teilnehmenden: Mit dem gesammelten Geld konnte eine Gruppe von Kindern in Uganda mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden. Diese Geste der Solidarität zeigte eindrucksvoll, wie interreligiöser Dialog nicht nur intellektuelle, sondern auch soziale Impulse setzen kann.
Mevlida Mešanović: „Der Kurs bot eine wertvolle Gelegenheit, sich vertiefend mit den gemeinsamen Wurzeln und Unterschieden der abrahamitischen Traditionen auseinanderzusetzen. Der intensive Austausch und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Texten stärkten das interreligiöse Lernen und eröffneten neue Perspektiven auf das Verhältnis von Bibel und Koran. Am Ende der Veranstaltung waren sich die Teilnehmer*innen einig, dass solche Dialogformate ein wichtiger Beitrag zu einem besseren gegenseitigen Verständnis und einem friedlichen Miteinander in einer pluralen Gesellschaft sind – nicht nur im Gespräch, sondern auch im gemeinsamen Handeln.“
Text: Mevlida Mešanović, bearbeitet von Margret Herbst





Nachbericht: Eine faszinierend neue Sicht auf den ,unbekannten Messias‘ am Online-Bibeltag 2025
Ganz bewusst die weniger bekannten, auch „störenden“ Texte über Jesus von Nazareth und damit seine ,Ecken und Kanten‘ in den Blick zu nehmen, war das Anliegen der beiden Referierenden, Prof.in Claudia und Prof. Simone Paganini, in Anknüpfung an ihr 2024 erschienenes Buch am diesjährigen Online-Bibeltag (Do, 04.02.2025).
Über 80 Teilnehmende waren der Einladung des Fachbereichs Pastoral & Theologie und des Bildungsforums Mariatrost gefolgt und ließen damit durch die Impulsvorträge auch ihr je eigenes Jesusbild durch die ein Stück weit infrage stellen.

Vor allem im Rückgriff auf außerbiblische Quellen (Apokryphen) weisen die Lehrenden der Universitäten Innsbruck und Aachen auf einige unerwartete und zum Teil gewiss irritierende Eigenschaften des historischen Jesus hin. So präsentieren sie etwa Josef und Maria als überforderte Eltern oder Jesus als frechen, widerständischen und mitunter jähzornigen Schüler. Auch den – die Jesusbewegung unterstützenden und oftmals gut situierten – Frauen gegenüber zeige Jesus ein damals übliches Macho-Verhalten.
Für die Claudia und Simone Paganini kommt dem differenzierten, ja sogar widersprüchlichen Jesusbild eine besondere Glaubwürdigkeit zu, wenn sie feststellen: „Der einzige Grund, solche wenig vorteilhaften Episoden auch noch schriftlich zu verbreiten, ist nämlich, dass diese sich tatsächlich so zugetragen haben und zugleich der Allgemeinheit so bekannt waren, dass man sie nicht einfach unter den Tisch fallen lassen konnte.“
Nicht alle Anfragen konnten im Rahmen einer sehr angeregten Diskussion unter den Teilnehmenden geklärt werden, wie etwa die Frage, ob es nicht auch die als anstößig oder skandalös wahrgenommenen Texte sind, die das Potenzial haben, Jesus menschlicher und darum nahbarer zu machen. Gleichzeitig machen gerade diese Quellen sichtbar, „wie unmöglich es ist, mit seiner Persönlichkeit ,fertig‘ zu werden.“


Nachbericht: Dem ,Phänomen der Geistesklarheit am Ende des Lebens‘ in ,Das Licht der letzten Tage‘ auf der Spur
Einen hervorragenden Online-Vortrag von großem individuell-existenziellem Gewicht hielt der renommierte und international äußerst gefragte Wissenschaftler und Leiter des Viktor-Frankl-Instituts in Wien, Prof. Dr. Alexander Batthyány, am 16. Jänner 2025.
Mit großer Umsichtigkeit berichtete Batthyány von bahnbrechenden Ergebnissen der Sterbeforschung zu dem immer wieder berichteten Phänomen der Geistesklarheit in der Endphase des Lebens. Das an sich wohl seit Menschengedenken bekannte Phänomen, von der Wissenschaft jedoch noch keine 50 Jahre lang in den Blick genommen und diesbezüglich sich noch im „Niemandsland“ befindend, scheint dem Materialismus zu widersprechen. Die inzwischen von Batthyány und seiner Forschungsgruppe über 450 gesammelten Fallberichte aus der Gegenwart (und laufend kommen weitere hinzu) deuten auf den paradoxen Zustand eines funktionsfähigen Geistes in Verbindung mit einem massiv gestörten Gehirn hin (wie z.B. bei fortgeschrittener Demenzerkrankung). Angehörige berichten dazu von äußerst klaren Bewusstseinsmomenten von kurz darauf sterbenden Personen.
Dieses mittlerweile sehr gut bezeugte Phänomen setzte Batthyány in Bezug zu Todesnähe-Erfahrungen und hebt Parallelen hervor. Geist und Gehirn scheinen funktional gesehen verschiedene Wege zu gehen.
Auch eventuell in Frage kommende Modelle zur Erklärung des Phänomens bot Batthyány, wie etwa die Theorie Bruce Greysons, die besagt, dass allgemeingültige Theorien nur innerhalb eines bestimmten Bereichs Gültigkeit haben.
Eindringlich warnte Batthyány vor dem durch Esoterik und New Age ausgeübten Druck auf Sterbende.
Mit großem Interesse brachten sich die Teilnehmenden ein, zum Teil aus Tätigkeitsbereichen der Medizin bzw. dem Palliativ- und Hospizbereich kommend. Die vielen wertschätzenden und anerkennenden Rückmeldungen waren überwältigend. Herzlichen Dank!
Blitzlichter aus dem Vortrag:
⇒ „Gelingendes Sterben beginnt im Leben.“
⇒ „Menschen fragen sich am Ende ihres Lebens nicht, ob sie sich gut fühlen, sondern wozu sie gut waren.“
⇒ Entscheidend sei es wohl, „im Leben möglichst viele Spuren des Guten zu legen“.
Reichlich Hoffnungsvolles lässt sich Batthyánys Buch ‚Das Licht der letzten Tage. Das Phänomen der Geistesklarheit am Ende des Lebens‘ (O. W. Barth Verlag, 2024) entnehmen:
„…Und doch geht es hier nicht nur um die Hoffnung, dass wir selbst bewahrt und beschützt und getröstet werden, sondern auch um die Hoffnung und Verantwortung, dass wir zu Lebzeiten für andere Schutz und Tröster sind.“
Margret Herbst


